Montag, 12. September 2011
zuviel ist zuviel (in progress)
dachspeicher, 14:00h
Vor drei Tagen war es soweit. Zum ersten mal hat es die Radiowerbung geschafft in einem Werbeblock ausschließlich Werbespots zu bringen, die entweder die Bergiffe "öko", "bio", "eco(-logy)", "Natur(-Produkt)" etc. enthielten.
Ich musste unweigerlich an meine Geschichts-LK Zeiten denken (sechsmalige Behandlung des Themas NS-Zeit) und die Gespräche die ich darüber im Laufe meines weiteren Lebens hatte (Studium, Arbeit, Freundeskreis). Jeder der heute 30- bis 40-jährigen hat mehr oder manchmal etwas minder das gleiche Erlebnis: Ja, wir verstehen! Durch das Wissen, stehen wir in der Verantwortung, dass dies nie wieder geschieht. Doch spätestens nach der dritten Behandlung dieses Themas ist zwar noch längst nicht allls gesagt, aber alles unter ein Diktat der Moral zu packen und keinerlei Inhalte und Worte mehr diskutierbar zu lassen, kotzt nur noch an. Die Moral ist Verstanden, um Inhalte geht es aber nicht mehr, es geht nur noch um die Wiederholung der Wiederholung der Moral.
Und natürlich sagt die Moral, dass unvergleichlich Böse und nicht in Worte zu fassende kann und darf hier und woanders auch nicht als Beispiel, als Vergleich dienen. Und es stimmt. Aber es stimmt auch nicht. Denn wie die Menschen damit umgehen, in welchen Hype sie, durch das was sie in ihrem besten und ehrlichsten Verlangen nach dem Guten, hineingeraten, darf sehr wohl Thema sein und muss es auch. Denn es relativiert nicht, es beschmutzt nicht das Angedenken. Im Gegenteil, es hilft ihm sogar. Denn es fördert den Blick auf die Realität jenseits der wattierenden Ideologie.
Und um diese geht es hier, um Ideologie.
Es geht hier nicht um eine Leugnung der Auswirkungen des Anthropozäns und auch nicht um Relativierungen (für diese ist meine Faktenlage erst recht, aber auch die allgemeine, aufgrund der Neuheit in der Wissenschaft zu dünn und im einzelnen zu wenig abgesichert und somit noch zu beliebig interpretierbar).
Ich möchte mich viel mehr mit den Auswirkungen auf unser Leben und auch etwas mit dem, was ich meine als Hintergründe dieser Ideologie erkennen zu können auseinandersetzen.
Ich denke stellvertretend für die Mainstreamideologie ist ein kleines Erlebnis das ich vor einiger Zeit hatte. Mein Schweigervater war aus dem Ausland zu Besuch gekommen und wir die ganze Familie, inklusive unserem kleinem Terrier, machten einem Spaziergang in einem seit kurzem neu ausgewiesenem Natur- oder Landschaftsschutzgebiet (welches Schild da genau steht, kümmer ich mich eh nicht mehr drum, aber das gehört in ein anderes Thema). Unser Hund stöberte (artgerecht!;)) frei laufend in der näheren Umgebung herum und brachte bald auch einen Hasen auf, den er über ein Feld verfolgte, eh dieser entkommen konnte. Plötzlich wurden wir von einer Dame und ihrem Begleiter (Kleidung, Gestik, Wortwahl etc. nach zu urteilen Bürokauffrau oder ähnliches) auf das heftigste angepöbelt mit unseren Scheiß-Köter sofort uns zu verpissen. Ob wir nicht lesen könnten, aber das könnten wir ja nicht, so dumm wie wir aussehen. Unsere Kinder sollte man uns wegnehmen und wir gehörten angezeigt und ins Gefängnis gesteckt. Nun die Pöbeleien gingen weiter, wir aber auch. Meine Frau die meinem Schwiegervater übersetzt hatte und der noch versucht hatte sich mit seinem doch eher mittelprächtigem Schulenglisch einzuschalten wurde nur wie jemand vom Mond angeschaut. Wir entschuldigten uns natürlich bei meinem Schwiegervater für ein solches Verhalten und versuchten in ihn in der Folgezeit durch Mitnahme in unseren Freundeskreis davon zu überzeugen dass nicht alle Deustchen so sind, doch das crazy-öko-nazi-deutschland ist eines seiner Lieblingswörter, wenn er in seinem Freundeskreis über seine Erlebnisse hier erzählt.
Ich denke, das kleine Beispiel zeigt sehr gut einen Aspekt auf wie sich der ökologische Mainstream Natur vorstellt: als liebenswerten Streichelzoo. Ein durch und durch romantisch geprägtes Verständnis.
Besinnen wir uns mal kurz auf die Worte als solche, so leben Wild!tiere in der Natur und eben nicht Streichelzootiere. Oder wie Claude Levi-Strauss das Wort eines nordamerikansichen Indianerstammes für das Fleisch von Tieren aus der Gefangenschaft(Haustierhaltung) übersetze: "Horror vacui" - die Abscheu vor der Leere! Ein Fleisch, das nur vor sich rumgedöst hat, das abgesichert gelebt hat, das keine Angst und Furcht, keine Höhen (unsere Haustiere werden heute ja fast nur noch ausschließlich künstlich besamt) und keine Tiefen
mehr kennt. Sprich ein Leben, das keine Wildnis mehr kennt, ein Leben das nur steorid gerade aus vor sich hingegangen ist (sei es zum Fleischer oder in den Streichelzoo). Im Grunde also der Endzustand in den sonst von mir so geschätzen Augustenburger Briefen Schillers.
Und damit sind wir im Kopf der Romantik angelangt, in seiner Ideologie.
(Die Arbeit ruft, also Fortsetzung folgt)
Ich musste unweigerlich an meine Geschichts-LK Zeiten denken (sechsmalige Behandlung des Themas NS-Zeit) und die Gespräche die ich darüber im Laufe meines weiteren Lebens hatte (Studium, Arbeit, Freundeskreis). Jeder der heute 30- bis 40-jährigen hat mehr oder manchmal etwas minder das gleiche Erlebnis: Ja, wir verstehen! Durch das Wissen, stehen wir in der Verantwortung, dass dies nie wieder geschieht. Doch spätestens nach der dritten Behandlung dieses Themas ist zwar noch längst nicht allls gesagt, aber alles unter ein Diktat der Moral zu packen und keinerlei Inhalte und Worte mehr diskutierbar zu lassen, kotzt nur noch an. Die Moral ist Verstanden, um Inhalte geht es aber nicht mehr, es geht nur noch um die Wiederholung der Wiederholung der Moral.
Und natürlich sagt die Moral, dass unvergleichlich Böse und nicht in Worte zu fassende kann und darf hier und woanders auch nicht als Beispiel, als Vergleich dienen. Und es stimmt. Aber es stimmt auch nicht. Denn wie die Menschen damit umgehen, in welchen Hype sie, durch das was sie in ihrem besten und ehrlichsten Verlangen nach dem Guten, hineingeraten, darf sehr wohl Thema sein und muss es auch. Denn es relativiert nicht, es beschmutzt nicht das Angedenken. Im Gegenteil, es hilft ihm sogar. Denn es fördert den Blick auf die Realität jenseits der wattierenden Ideologie.
Und um diese geht es hier, um Ideologie.
Es geht hier nicht um eine Leugnung der Auswirkungen des Anthropozäns und auch nicht um Relativierungen (für diese ist meine Faktenlage erst recht, aber auch die allgemeine, aufgrund der Neuheit in der Wissenschaft zu dünn und im einzelnen zu wenig abgesichert und somit noch zu beliebig interpretierbar).
Ich möchte mich viel mehr mit den Auswirkungen auf unser Leben und auch etwas mit dem, was ich meine als Hintergründe dieser Ideologie erkennen zu können auseinandersetzen.
Ich denke stellvertretend für die Mainstreamideologie ist ein kleines Erlebnis das ich vor einiger Zeit hatte. Mein Schweigervater war aus dem Ausland zu Besuch gekommen und wir die ganze Familie, inklusive unserem kleinem Terrier, machten einem Spaziergang in einem seit kurzem neu ausgewiesenem Natur- oder Landschaftsschutzgebiet (welches Schild da genau steht, kümmer ich mich eh nicht mehr drum, aber das gehört in ein anderes Thema). Unser Hund stöberte (artgerecht!;)) frei laufend in der näheren Umgebung herum und brachte bald auch einen Hasen auf, den er über ein Feld verfolgte, eh dieser entkommen konnte. Plötzlich wurden wir von einer Dame und ihrem Begleiter (Kleidung, Gestik, Wortwahl etc. nach zu urteilen Bürokauffrau oder ähnliches) auf das heftigste angepöbelt mit unseren Scheiß-Köter sofort uns zu verpissen. Ob wir nicht lesen könnten, aber das könnten wir ja nicht, so dumm wie wir aussehen. Unsere Kinder sollte man uns wegnehmen und wir gehörten angezeigt und ins Gefängnis gesteckt. Nun die Pöbeleien gingen weiter, wir aber auch. Meine Frau die meinem Schwiegervater übersetzt hatte und der noch versucht hatte sich mit seinem doch eher mittelprächtigem Schulenglisch einzuschalten wurde nur wie jemand vom Mond angeschaut. Wir entschuldigten uns natürlich bei meinem Schwiegervater für ein solches Verhalten und versuchten in ihn in der Folgezeit durch Mitnahme in unseren Freundeskreis davon zu überzeugen dass nicht alle Deustchen so sind, doch das crazy-öko-nazi-deutschland ist eines seiner Lieblingswörter, wenn er in seinem Freundeskreis über seine Erlebnisse hier erzählt.
Ich denke, das kleine Beispiel zeigt sehr gut einen Aspekt auf wie sich der ökologische Mainstream Natur vorstellt: als liebenswerten Streichelzoo. Ein durch und durch romantisch geprägtes Verständnis.
Besinnen wir uns mal kurz auf die Worte als solche, so leben Wild!tiere in der Natur und eben nicht Streichelzootiere. Oder wie Claude Levi-Strauss das Wort eines nordamerikansichen Indianerstammes für das Fleisch von Tieren aus der Gefangenschaft(Haustierhaltung) übersetze: "Horror vacui" - die Abscheu vor der Leere! Ein Fleisch, das nur vor sich rumgedöst hat, das abgesichert gelebt hat, das keine Angst und Furcht, keine Höhen (unsere Haustiere werden heute ja fast nur noch ausschließlich künstlich besamt) und keine Tiefen
mehr kennt. Sprich ein Leben, das keine Wildnis mehr kennt, ein Leben das nur steorid gerade aus vor sich hingegangen ist (sei es zum Fleischer oder in den Streichelzoo). Im Grunde also der Endzustand in den sonst von mir so geschätzen Augustenburger Briefen Schillers.
Und damit sind wir im Kopf der Romantik angelangt, in seiner Ideologie.
(Die Arbeit ruft, also Fortsetzung folgt)
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